Wahrnehmung von Open-Access-Publikationen

Impact Factor und Open-Access-Zeitschriften

Viele Wissenschaftler führen als Hauptgrund, der aus ihrer Sicht gegen die Publikation in einem Open-Access-Journal spricht, den vermeintlich fehlenden oder zu geringen Impact Factor an. Ein gängiger Indikator, der insbesondere in der Medizin und den Naturwissenschaften als wichtiges Maß für das Renommee einer Zeitschrift und zugleich als Qualitätskriterium für die in ihr erscheinenden Arbeiten gilt, ist der Journal-Impact-Factor (JIF). Er wird berechnet als Quotient aus der Zahl der im Berechnungsjahr vorliegenden Zitate, die sich auf in den zwei vorausgegangenen Jahren in der betreffenden Zeitschrift (Z) erschienene Artikel beziehen, und der Gesamtzahl der in den zwei vorausgegangenen Jahren in der Zeitschrift (Z) veröffentlichten Artikel [vgl. Umstätter 2004, S. 242]:

 

Formel zur Berechnung des JIF 

Je höher der resultierende Indexwert, umso häufiger wurde also im Berechnungsjahr aus einer Zeitschrift zitiert. Der JIF wird jährlich neu durch Thomson Reuters Scientific (vormals: Institute for Scientific Information) berechnet und in den Journal Citation Reports (JCR) bekannt gegeben. Einen Impact Factor erhalten nur die Zeitschriften, die in den bibliografischen Datenbanken Social Sciences Citation Index und Science Citation Index (beide zugänglich über das Web of Science\xae) aufgenommen sind.

In den letzten Jahren stieg die Anzahl der OA-Zeitschriften mit JIF zwar langsam, aber kontinuierlich an [vgl. z.B. Giglia 2010]. Im Jahr 2009 besaßen 619 von 4357 der im Directory of Open Access Journals (DOAJ) verzeichneten Zeitschriften einen Impact Factor [Gerritsma 2011]. Berücksichtigt werden muss dabei, dass Open-Access-Journale noch eine relativ junge Publikationsform sind und der JIF nur für Zeitschriften berechnet wird, die seit mindestens drei Jahren existieren. Dass Open-Access-Journale prinzipiell in der Lage sind, mit Closed-Access-Journalen in Hinblick auf ihre Bewertung durch den JIF zu konkurrieren, beweisen z.B. die Titel "PloS Biology", "BMC Bioinformatics" oder "Atmospheric Chemistry and Physics".

"Zitationsvorteil" von OA-Dokumenten

Bei der Bewertung von Publikationen durch den Impact Factor muss man sich bewusst sein, dass dieser auf Zeitschriftenebene, nicht auf der Ebene der Einzelartikel bestimmt wird, d.h., der JIF sagt nichts darüber aus, wie häufig ein bestimmter Artikel zitiert wird. An diesem Punkt setzen Studien an, die untersucht haben, wie sich die Open-Access-Publikation eines Artikels auf dessen Zitationshäufigkeit auswirkt. So beschrieb bereits 2001 ein Beitrag in "Nature" das Phänomen der erhöhten Zitationshäufigkeit im Fach Informatik bei Open-Access-Publikationen im Vergleich zu Closed-Access-Publikationen [Lawrence 2001]. Ähnliche Effekte sind inzwischen auch für andere Fachbereiche (Physik, Biologie, Gesellschafts- und Geisteswissenschaften) beobachtet worden. Ein Vergleich von Open-Access- und Closed-Access-Dokumenten derselben Zeitschrift zeigte auf, dass die Zitationshäufigkeit von Artikeln, die zusätzlich zur originären Closed-Access-Veröffentlichung auch auf einem Open-Access-Schriftenserver publiziert wurden, durchschnittlich um mindestens 25% höher lag als die jener Artikel, die ausschließlich Closed Access veröffentlicht wurden [Harnad 2004, Hajjem 2005]. Die Gründe für den "Zitationsvorteil" von Open-Access-Dokumenten liegen auf der Hand:

  • Open-Access-Publikationen sind weltweit über allgemeine oder spezielle Suchmaschinen unkompliziert und schnell zu finden.
  • Der Volltext ist ohne Kosten und unmittelbar zugänglich; Wartezeiten z.B. durch zeitaufwändige Fernleihbestellungen oder Reprint-Anfragen entfallen.
  • Die höhere Verfügbarkeit gegenüber konventionell veröffentlichten Arbeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Nachnutzung.

Nutzungsstatistiken als Alternative zum Journal Impact Faktor

Der unbeschränkte Zugang zu OA-Dokumenten erlaubt eine Bewertung, basierend auf ihrer Nutzung. Daher werden inzwischen Nutzungsstatistiken für (frei zugängliche) elektronische Publikationen als Alternative zum JIF diskutiert und z.B. im DFG-geförderten Projekt Open-Access-Statistik entwickelt.